Urschel – Pfulben – Remmsele – Haule – Pelzmichel

Vergangenen Sonntag begaben sich sieben Nachtfräulein in weißen Gewändern und roten Socken auf den mystischen Weg rund um den Berg der Urschel. Sie wurden begleitet vom Grafen und vom Haule vom Selchental.

Für den Aufstieg über die alte Hofsteige mussten sie, je ein Remmsele in die offene Hand der Urschel legen. So geschützt ging es ohne Regen hinauf zum Emmenberg.

Am Uhufelsen erforderte das Klappersteigle Geschick und Aufmerksamkeit. Kaum vorstellbar, dass früher dort Kuhgespanne rauf und runtergefahren sind. Jedoch mit dem festen Glauben an die Urschel, die die Bauersleute auf Ihren Wegen durch die Pfullinger Wälder fürsorglich begleitet, ging es aber wohl schon.

Am Mädlesfelsen genossen die Nachtfräulein die Aussicht in die Nebelsuppe. Der Graf legte sich für ein kleines Nickerchen seinen Pfulben unter den Kopf und der Haule, legte sich seinen Kopf zurecht, den er die ganze Zeit unter dem Arm trug, weil ihm die Urschel eine Strafe auferlegt hatte.

Da sich die Nachtfräulein im nahen Wirtshaus eine Kaffeepause gönnten, ließ Urschel auf dem Rückweg die Schleusen am Himmel öffnen, den Nebel tiefer sinken und die Temperatur in den Keller fallen.

Auch das Waldmännle und der Pelzmichel setzte die Urschel auf die Damen an.

Die waren aber flink und stahlen der Urschel ihre drei goldenen Schlüssel für die versunkenen Schlösser im Urschelberg.

Und welch ein Wunder – die Schlüssel passten zu den Droschken am nahegelegenen Waldrand.

Via Dolorosa 2026

In Wikipedia kann man lesen:

„Der Karfreitag gehört zu den sogenannten stillen Tagen, an dem verschiedene öffentliche Veranstaltungen verboten sind, etwa sportliche Veranstaltungen, solche in Räumen mit Schankbetrieb und alle sonstigen öffentlichen Veranstaltungen zur Unterhaltung.

Außer wenn sie der geistig-seelischen Erhebung dienen und auf den ernsten Charakter des Tages Rücksicht nehmen.“

Auf die Via Dolorosa der Albvereinsgruppe Gomaringen passt diese Beschreibung wunderbar.

Wer sich morgens kurz vor halb acht auf den Kreuzweg hinauf zur Salmendinger Kapelle begibt und mittags um vier von der Wurmlinger Kapelle den Kreuzweg hinunterschlendert, hat in den gut 30 Kilometern dazwischen viele geistig-seelische Erhebungen, die diesen Tag zu etwas ganz Besonderem werden lassen.

Seien es:

  • die Schneefelder auf der winterlichen Alb
  • die startende Blüte im Streuobstparadies
  • der wohlduftende Cappuccino in der Bäckerei
  • die matschigen Wegpassagen
  • die Anwesen der Damen und Herren von Tessin
  • das unverhoffte Tiramisu an der Hauptstraße
  • das lila Blütenmeer am Wegesrand
  • der meditative Genuss einer Schokolade
  • die Sektbar im Kofferraum
  • und dazwischen jede Menge Zeit miteinander ins Gespräch zu kommen über Gott und die Welt.

 

Ein Karfreitag, der auf jeden Fall in positiver Erinnerung bleibt.